Mein Selfie

oder mein Bild von mir selbst. Selfie ist ein Bild, das ich selbst von mir erstelle. Ich lasse mich nicht mehr von anderen fotografieren, sondern ich fotografiere mich selbst. So kann ich selbst darüber bestimmen, was ich von mir zeigen will und wie. Danach richte ich mein Bild aus. Mein Ziel ist es zu gefallen und möglichst viele positive Reaktionen, Likes, zu sammeln. Die Anzahl der Likes ist dann ein Maß für meinen Selbst-Wert. Sie zeigen mir “Du bist toll, Du bist schön” und die Anderen mögen mich.

Mit meiner Selbst-Darstellung bin ich nach außen gerichtet, denn ich muss mich auch so zeigen, dass es den Anderen gefällt. Ich passe mich damit gängigen Normen und Schönheitsidealen an, weil ich habe Angst sonst nicht zu gefallen bzw. abgelehnt zu werden oder gar Häme und Spott zu ernten. So besteht die Gefahr, dass wir uns immer mehr ein Scheinselbst aufbauen und uns selbst darüber vergessen.

Wie weit wagen wir es noch uns selbst zu zeigen, so wie wir sind. Auch mit unseren kleinen Fehlern und Schwächen und “dem Pickel auf der Nase”. In einer Gesellschaft in der (scheinbar) Perfektion und Selbstoptimierung vorherrschen, ist das schwer. Besonders junge Menschen leiden darunter.

Umso wichtiger sind Räume, Orte oder Beziehungen in denen ich mich so zeigen und sein kann wie ich bin und auch so angenommen werde. Die Gemeinde wäre für mich so ein Ort.

Regina Ranglack

 

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