Wenn die Kräfte versiegen

„Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“
Johannes 10,10

In diesem Sommer bekommt das Wort „ausgetrocknet“ einen bedrückend wörtlichen Klang. Ende Juli waren alle großen Flüsse in Deutschland von Niedrigwasser betroffen; auch in weiten Teilen Europas waren die Dürrebedingungen kritisch. An der Tankstelle und in vielen Haushalten spüren Menschen, wie verletzlich unser Alltag ist.  Und manchmal fühlt es sich innerlich ähnlich an: Die Kraft reicht noch für das Nötigste – aber nicht mehr dafür, auch noch die Welt, die Gesellschaft, die Familie oder die Kirche zu retten.

Leben in Fülle ist kein „Immer mehr“

Genau in eine solche Erfahrung hinein klingt der Monatsspruch beinahe provozierend. Leben „in Fülle“ – was soll das sein, wenn ringsum das Weniger regiert?

Der Zusammenhang in Johannes 10 hilft. Jesus spricht von Dieben, von Gefahr, von einer Herde, die Schutz und Nahrung braucht. Er verspricht keine Welt ohne Bedrohung. Und er verkauft kein Wohlstandsprogramm. Die Fülle, von der er spricht, beginnt mit Beziehung: Die Schafe kennen die Stimme des Hirten. Er kennt sie, führt sie hinaus und bringt sie auf die Weide. Im Johannesevangelium ist dieses Leben nicht erst eine Vertröstung auf später; es beginnt hier und jetzt – als Leben aus der Verbundenheit mit Gott und miteinander. 

Fülle bedeutet also nicht, dass plötzlich wieder mehr Geld, mehr Personal, mehr Zeit und mehr Menschen da sind. Jesus verspricht nicht das Ende aller Knappheit. Er verspricht, dass der Mangel nicht das letzte Wort über unser Leben bekommt.

Warum Kirche nicht automatisch „Tankstelle“ ist

Vielleicht gehört zu unserer Ehrlichkeit auch dies: Erschöpfung macht Menschen nicht automatisch religiös. Die sechste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung zeigt, dass sich die Mehrheit in Deutschland als nicht religiös versteht und nur eine Minderheit regelmäßig religiöse Praxis lebt. Zugleich bleibt Religion für einen Teil der Menschen gerade in schwierigen Lebenssituationen bedeutsam. Die Studie stellt deshalb eine unbequeme Frage an die Kirche: Verstehen Menschen überhaupt noch, was wir meinen – und erleben sie, dass Glaube ihrem wirklichen Leben etwas eröffnet? 

Vielleicht wird eine Kirche, die vor allem damit beschäftigt wirkt, sich selbst zu erhalten, schwerlich als Quelle wahrgenommen. Menschen – auch solche ohne Kirchenbindung – erwarten von Kirche gesellschaftliche Verantwortung und konkretes Engagement.  Eine Kirche aber, in der Menschen aufatmen, erzählen, klagen, widersprechen, beten, essen, lachen und miteinander etwas tun können – die lässt vielleicht ahnen, was Jesus mit Fülle meint.

Fülle macht handlungsfähig

Jesu Satz beginnt nicht mit einem Auftrag an uns: „Strengt euch mehr an!“ Er beginnt mit: „Ich bin gekommen.“ Das ist eine Entlastung. Wir müssen das Leben nicht herstellen. Wir müssen nicht alles retten. Wir dürfen uns zuerst beschenken lassen.

Aber der Hirte führt seine Schafe auch hinaus.  Glaube ist deshalb nicht die Kunst, sich fromm aus der Wirklichkeit zurückzuziehen. Er kann uns gerade so weit aufrichten, dass der nächste Schritt wieder möglich wird: ein Gespräch führen, einen Konflikt nicht vertagen, einem einsamen Menschen Zeit schenken, einen Baum gießen, einer menschenverachtenden Bemerkung widersprechen, gemeinsam etwas Neues ausprobieren.

Vielleicht ist Fülle genau das: nicht unbegrenzte Kraft, sondern genügend Leben für den nächsten lebensdienlichen Schritt.

Und vielleicht gilt das gerade auch für die Wege, die uns zueinanderführen, damit wir nicht allein bleiben. Wenn wir nicht nur darauf schauen, welche Ressourcen auch in unseren Gemeinden versiegen, sondern entdecken, welchen Reichtum wir miteinander gewinnen können, verändert sich der Blick: im gemeinsamen Gebet, in Gaben, die sich ergänzen, und in Begegnungen, die Mut machen. Wo wir das gerade auch in Veränderungs- und Fusionsprozessen erfahren und Jesus Christus dabei die Mitte bleibt, können Gemeinden neu zu Wasserstellen werden – zu Oasen in einer gesellschaftlichen Landschaft, in der viele Menschen spüren, wie ihre seelischen Kräfte auszutrocknen drohen.

Und vielleicht finden wir gerade dort auch die Kraft wieder, nicht tatenlos zuzusehen, wo um uns herum ganz real Quellen versiegen, Lebensräume bedroht sind und die Ressourcen dieser Erde schwinden, sondern gemeinsam das zu tun, was dem Leben dient und es bewahrt.

Ein Gebet

Jesus Christus,
wenn unsere Kräfte versiegen, sei du unsere Quelle.
Wenn Angst uns klein macht, gib uns Atem.
Wenn wir nur noch Mangel sehen, öffne unseren Blick für das, was du wachsen lässt.
Und wenn wir nicht die ganze Welt ändern können, zeige uns den nächsten Schritt, der dem Leben dient.
Amen.

Dirk Schuklat

Hinweis: Der Text wurde vom Autor mit Hilfe seiner freundlichen KI aus der Nachbarschaft erstellt. 

 

 

Hier kannst Du Dich für unseren spannenden Newsletter anmelden. Einmal die Woche schreiben wir Dir eine Mail, mit den aktuellen Geschehnissen rund um die MLKG.

Die Angabe von Vor- und Nachname ist freiwillig.
Ich habe die Datenschutzhinweise der MLKG zur Kenntnis genommen.