Freiheit ist ein großes Wort. Wir wünschen sie uns – und kaum haben wir sie, bauen wir uns manchmal schon die nächsten Abhängigkeiten. Wir wollen mehr Zeit haben und füllen den freien Termin sofort wieder. Wir wollen weniger aufs Handy schauen und installieren erst einmal eine App, die uns sagt, wie lange wir aufs Handy geschaut haben. Freiheit ist offenbar gar nicht so einfach.

Und sie ist ein zerbrechliches Gut. Das merken wir besonders in einer Demokratie. Zu wirklicher Freiheit gehört auch, dass Menschen frei entscheiden können – sogar so, dass diese Freiheit selbst gefährdet wird. Unsere deutsche Geschichte erzählt schmerzlich davon. Freiheit kann schnell verloren gehen. Sie wiederzugewinnen, kann unendlich mühsam sein. Die Menschen, die 1989 in der DDR auf die Straße gingen, wussten etwas davon.

Der Monatsspruch für Oktober klingt deshalb wie eine doppelte Erinnerung: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Galater 5,1) 

Zur Freiheit befreit. Paulus sagt es beinahe doppelt. Und dann: Steht fest! Freiheit ist Geschenk – aber sie will auch gelebt und bewahrt werden. Hinter diesem Satz steht ein Konflikt. Menschen waren zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Nun wurde ihnen gesagt: Schön, dass ihr glaubt – aber wenn ihr wirklich dazugehören wollt, reicht das nicht. Bestimmte religiöse Voraussetzungen müsst ihr zusätzlich erfüllen. Paulus widerspricht entschieden: Christus reicht. Ihr müsst euch Gottes Liebe nicht verdienen. Ihr müsst euch den Weg zu Gott nicht durch religiöse Leistung erarbeiten. Christus hat euch befreit. Also macht aus dem Glauben nicht gleich wieder ein neues Joch. Damit sind wir erstaunlich nahe bei unserem Leitsatz als Martin-Luther-Kirchengemeinde: „Wir wollen, dass viele Menschen auf kreative Weise der Liebe Gottes in Jesus Christus begegnen.“ 

Ich bleibe an einem Wort hängen: begegnen. Begegnung ist mehr als Information. Ich kann viel über einen Menschen wissen, ohne ihm jemals begegnet zu sein. Vielleicht gilt das auch für Jesus. Man kann wissen, wann Weihnachten ist, was Karfreitag bedeutet und wie viele Evangelien es gibt. Aber Glaube beginnt nicht mit Wissen über Jesus. Glaube beginnt mit der Begegnung mit ihm. Darum geht es in unserer zweiten Leitlinie: Evangelisation. Wir wollen Menschen mit der lebensrettenden Botschaft Jesu Christi in Berührung bringen. Und wir hoffen darauf, dass sie Stellung beziehen und zu einem vorbehaltlosen Ja zu einem Leben mit Jesus finden.

Diese Deutlichkeit möchte ich nicht zurücknehmen. Denn eine Begegnung mit Jesus ist nicht einfach nur nett. In den Evangelien können Menschen ihm folgen, widersprechen oder weggehen. Jesus zwingt niemanden. Aber seine Begegnung fordert zu einer Stellungnahme heraus. Und unsere Hoffnung ist mehr als: „Interessanter Mann, dieser Jesus.“ Unsere Hoffnung ist, dass ein Mensch entdeckt: Dem kann ich vertrauen. Mit diesem Christus möchte ich leben. Gerade Galater 5 bewahrt Evangelisation aber davor, Druck zu machen. Es wäre widersinnig, Menschen von der Freiheit in Christus zu erzählen und ihnen dabei ein neues religiöses Joch aufzulegen. Glauben können wir nicht herstellen. Aber wir können erzählen, warum Christus uns wichtig ist, Fragen aushalten und Begegnungen ermöglichen. Wenige Verse später schreibt Paulus: Ihr seid zur Freiheit berufen – aber nutzt diese Freiheit nicht nur für euch selbst. Dient einander durch die Liebe.  Freiheit ist nicht nur die Frage, wovon ich befreit bin, sondern auch wozu. So bekommt Freiheit Hände und Füße.

Und dann wird es ganz alltäglich. Ein Kollege fragt beim Kaffee: „Was trägt dich eigentlich?“ Eine Freundin erzählt, dass sie mit Kirche längst fertig ist. Ein Enkelkind fragt plötzlich: „Glaubst du wirklich an Gott?“ Dann muss ich niemanden überreden. Aber ich darf sagen: Ja. Und ich möchte dir erzählen, warum. Vielleicht ist Freiheit also doch ein wenig wie mit dem Handy: Es genügt nicht, eine App für Freiheit zu installieren. Man muss sie leben. Und wie in unserer Demokratie gilt auch im Glauben: Freiheit bleibt kostbar. Wie schnell entsteht dann im Gefolge des Glaubens doch wieder ein Regelwerk, wie denn dieser Glaube und diese Liebe gelebt werden muss. 

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest.“ Gemeinden verändern sich. Strukturen verändern sich. Menschen gehen. Aber Christus bleibt. Und unsere Aufgabe ist nicht, andere in die Freiheit hineinzuzwingen, sondern in ihr festzustehen – und Menschen einzuladen, sie selbst zu entdecken. 

Pfr. Dirk Schuklat

Hinweis: Der Text wurde vom Autor mit Hilfe seiner freundlichen KI aus der Nachbarschaft erstellt. 

 

 

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