„Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.“ (Maleachi 3,20)

Advent also mal wieder. Die Lichterketten flackern gegen das Grau an, Supermärkte dudeln „Last Christmas“, und irgendwo zwischen Geschenkekauf und Dauerregen fragt mich einer nach der Hoffnung, die in mir ist Dass es dieses Mal wirklich besser wird? Dass irgendwer aufräumt? Dass die Welt endlich mal kurz innehält?

Der Prophet Maleachi antwortet auf diese Fragen mit einem Bild: „Die Sonne der Gerechtigkeit wird aufgehen.“ Und nicht nur das: Sie bringt „Heil unter ihren Flügeln“. Was für eine starke Verheißung! Eine Sonne geht auf, die es an den Tag bringen wird, was wahr und gerecht ist, die heilt und schützt. Ein Sonne, die erleuchtet, und gleichzeitig den Schatten wirft, damit wir nicht erblinden bei dem, was wir sehen werden. Ein neuer Tag für alle, die Gott ernst nehmen.

Denn so heißt es: „Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet…“ Dieses „Fürchten“ meint nicht Angst, sondern Ehrfurcht. Im Hebräischen steht hier „yare“ – eine Haltung tiefer Achtung. Wer Gott „fürchtet“, lebt nicht aus Furcht, sondern aus Respekt. Nimmt Gott ernst. Nicht als Notfall-Kit im Himmel, sondern als Gegenüber im Alltag. Das hat Folgen: für den Blick auf andere, auf die Welt, auf uns selbst.

Gottesfurcht ist kein Frömmigkeitsabzeichen, sondern eine Haltung, die tiefer geht als Selbstoptimierung. Sie fragt: Was ist wahr? Was ist gerecht? Wem vertraue ich? Wer Gott achtet, traut ihm etwas zu – und lässt sich herausfordern.

Und dann geht einem etwas anders auf als ein grelles Licht, das blendet Sondern eine wärmende Sonne, die Gerechtigkeit bringt. Kein billiger Ausgleich, sondern eine heilende Kraft, die aufrichtet. Die uns nicht verschont, aber trägt.

Christinnen und Christen haben in dieser „Sonne der Gerechtigkeit“ früh Jesus Christus erkannt. Anstelle einem Lichtblitz am Himmel, liegt da ein Kind in einer Krippe. Gottes Gerechtigkeit kommt nicht mit Macht und Glanz, sondern mit Windeln und Verletzlichkeit. Jesus lebt, was Gottesfurcht bedeutet: Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit, Liebe. Bis ans Kreuz. Und durch den Tod hindurch.

Advent ist die Zeit, in der wir dieses Licht erwarten. Immer noch flackern die Lichterketten gegen das Regengrau an und „Last Christmas“ wird wohl auch nicht aufhören zu dudeln. Aber wer genau hinsieht und hinhört, kann auch eine Hoffnung wahrnehmen, die durch die Risse scheint. In einer Welt, die genug Dunkelheit kennt, erinnert uns Maleachi: Gott kommt. Und mit ihm Gerechtigkeit. Nicht als Drohung, sondern als Heil.

Und wir? Wir zünden Kerzen an. Schreiben Nachrichten, die wir lange verschoben haben. Halten inne. Warten nicht perfekt, aber ehrlich. Und hoffen, dass uns dieses Licht trifft.

Denn wenn Gott aufstrahlt, dann bleibt das nicht folgenlos. Dann wird es heller, zuerst langsam und nur verhalten spürbar. Aber dann unaufhaltsam mit Macht. Wer Gottes Namen achtet, wird sensibler. Für das, was fehlt. Und für das, was heil werden darf.

Also gut. Dann lassen wir die Sonne aufgehen. Wenn auch erst einmal in uns und dann durch uns auch für die, denen wir begegnen in dieser Zeit.

Gesegneten Advent euch allen!

Dirk Schuklat

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