Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“

(Apostelgeschichte 10,28 – Einheitsübersetzung)

Ein Satz wie ein Paukenschlag. Petrus, der Jünger Jesu, fromm und standfest, sagt ihn nicht leichtfertig dahin. Vielmehr ist er das Ergebnis einer inneren Erschütterung. Eine Vision Gottes zwingt ihn, seine Sicht auf die Welt zu überdenken. Ein Tuch mit unreinen Tieren – dreimal – und dann der Auftrag, einen römischen Hauptmann zu besuchen: Kornelius, ein Mann aus einem anderen Kulturkreis, mit einer anderen Religion, aus einer anderen Welt.

Und Petrus geht. Er tritt über Schwellen, die er vorher für unüberwindbar hielt. Und sagt diesen Satz.

Ein Satz, der auch heute noch Mauern sprengt. „Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.“ Kein Mensch soll aussortiert, abgewertet oder beiseitegeschoben werden. Nicht wegen seiner Herkunft, nicht wegen seiner Geschichte, nicht wegen seiner Andersartigkeit.

Dieser Vers steht im Juni über unserer Gemeinde – und er passt. Denn gerade im Monat des Wartburg-Fests, bei dem wir an Martin Luther und seine mutige Übersetzungsarbeit erinnern, geht es im Tiefsten um genau das: Dass Gottes Wort alle Menschen erreichen soll, nicht nur eine bestimmte Schicht, ein bestimmtes Volk, eine bestimmte Konfession.

Und unser Wartburg-Fest hier in Witten – rund um das Martin-Luther-Zentrum an der Wartburgstraße – steht genau dafür: Dass unsere Kirche nicht bei sich bleibt, sondern ins Quartier hineinwirkt. Offen, einladend, menschenzugewandt.

Es ist auch ein guter Vers für all die Gespräche und Überlegungen, die in unseren Kirchenkreisen gerade stattfinden: über Zusammenarbeit, über mögliche Fusionen mit Nachbargemeinden, über neue Wege im Miteinander.

Solche Prozesse sind nie leicht. Da mischen sich Hoffnung und Sorge, Neugier und Skepsis. Auch Petrus hatte erst einmal Mühe mit dem, was Gott ihm da zumutete. Er musste lernen, seine eigenen Vorstellungen zu hinterfragen – und sich von Gottes Geist leiten zu lassen.

Das kann auch uns helfen: Nicht mit dem Blick auf Unterschiede oder auf Besitzstände zu starten, sondern mit der Frage: Was will Gott uns zeigen? Wen sollen wir sehen, den wir bisher übersehen haben? Wen gilt es einzuladen, obwohl wir es nicht gewohnt sind?

Der Glaube, der auf Jesus Christus vertraut, weitet den Horizont. Er zeigt uns: Gott sieht jeden Menschen als sein geliebtes Kind. Kein Mensch ist „unheilig“ in seinen Augen.

Und wenn das so ist, dann sind auch wir eingeladen, unsere Urteile, unsere Zuschreibungen, unsere Grenzen zu hinterfragen. Ob in unserer Nachbarschaft, in unserer Gemeinde oder in Gesprächen über die Zukunft – der Geist Gottes ruft uns heraus aus den alten Schubladen.

Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern Ausdruck des Evangeliums: Die unverlierbare Würde des Menschen – so wie sie im Grundgesetz steht – hat ihren tiefsten Grund darin, dass Gott selbst keinen Menschen preisgibt.

Vielleicht ist dieser Monat ein guter Anlass, mit Petrus zu sagen:

Mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.

Nicht weil es bequem ist. Sondern weil es wahr ist. Und heilsam.

Amen.

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