Noch vier Monate liegen vor bis zum Jahresende. Nach einer langen heißen Sommerzeit nimmt nun das Leben wieder Fahrt auf und es wird sicherlich nicht langweilig werden, egal ob wir in die große Weltgeschichte blicken, auf die politisch-gesellschaftlichen Ereignisse in unserem Land oder auf private und gemeindliche herausfordernde Lebensveränderungen. Zieht irgendjemand die Reißleine in all den Kriegen um uns herum? Können und wollen wir mit den Ergebnissen der Landtagswahlen im September leben? Unsere Gemeinde geht auf die Fusion mit der Johanniskirchengemeinde zu und ich in den Ruhestand. Und da lese ich den Monatsspruch für September 2026: Kohelet 4,6: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“

Zuerst denke ich: Ein biblischer Spruch, der auf die Bremse tritt! Wer braucht schon Ruhe, wenn es viel zu tun gibt? Aber Kohelet stellt uns genau diese Frage. Ich bin in einem Buch über ein schwedisches Wort gestolpert, das sich kaum richtig ins Deutsche übersetzen lässt, das aber schon seit längerem für eine ganze skandinavische Lebensphilosophie steht: lagom. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Nicht übertrieben und nicht dürftig. Sondern ungefähr: genau richtig. Genug. Das ist keine Aufforderung zur Mittelmäßigkeit. Lagom heißt nicht: Streng dich bloß nicht zu sehr an. Es meint eher die Kunst, das rechte Maß zu entdecken. Zu erkennen, wann etwas gut ist. Und wann es genug sein darf. Ich frage mich, ob Kohelet dieses Wort gemocht hätte.

Ich frage mich: Wer von uns hat nicht schon gearbeitet und gesorgt und dennoch das Gefühl, es könnte nie genug sein? Wir sammeln Aufgaben, Termine, Projekte, als hinge unser Leben davon ab. Dabei zeigt Kohelet: Am Ende jagt man nur dem Wind hinterher. Vielleicht wäre es klug, lagom zu leben – eine kleine Handvoll Ruhe ist oft mehr wert als ein Häufchen Erfolge. Diese Erfahrung kann gerade jetzt für uns wichtig sein. In wenigen Monaten fusionieren Martin-Luther- und Johannis-Gemeinde. Vieles ändert sich: Wir sind nicht mehr allein, aber wir müssen auch loslassen, was bisher war. Da sitzt kein Zauberer, der aus Luft und Liebe eine neue Gemeinde zaubert. Vielleicht bleibt am Ende nicht alles aus beiden Gemeinden erhalten – und vielleicht muss das auch nicht sein.

Auf diesem Weg zu neuen Ufern möchte ich in den nächsten Monaten noch einmal an das erinnern, was uns als Martin-Luther-Kirchengemeinde bewusst und unbewusst, sichtbar und unsichtbar begleitet hat. Vor über zwanzig Jahren hat sich eine Gruppe von Menschen, die unserer Gemeinde eng verbunden waren, hingesetzt und einen Leitsatz mit Leitlinien für unsere Gemeinde erarbeitet. Unser Leitsatz bekommt im Zusammenklang mit lagom auch einen neuen Klang. Er lautet ja: „Wir wollen, dass viele Menschen auf kreative Weise der Liebe Gottes in Jesus Christus begegnen.“ Wenn wir lagom leben und teilen, dann öffnen wir unsere Hände und Herzen dafür. Nicht wir selbst stehen im Mittelpunkt, sondern Christus.

Denn es gibt noch einen tiefen Schritt weiter: Wenn wir merken, dass es nicht reicht, dann erinnert uns Christus daran: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2 Kor 12,9). Dieser Satz ist wie ein Vorschlaghammer gegen unseren Anspruch, alles aus eigener Kraft schaffen zu müssen: Nicht ich muss alles möglich machen, sondern Gottes Gnade ist genug. Das klingt vielleicht einfach, aber es ändert alles. Es heißt: Ich darf loslassen, bevor die Fäuste erlahmen. Ich muss nicht beweisen, dass ich alles noch schaffen kann. Es ist genug – weil Christus mir genug gibt.

Unsere Leitlinie 5 – Gemeinschaft hilft uns dabei. Dort steht, wir wollen Mauern zwischen Menschen überwinden, offen und einladend sein und die „Liebe Gottes in Jesus Christus glaubwürdig und kreativ erfahrbar miteinander leben“. Und ganz wichtig: Wir teilen unsere „geistlichen und materiellen Gaben und Güter“ – etwa Zeit, Geld oder unsere Begabungen – miteinander. Genau so spricht uns heute lagom an: Wir dürfen teilen, was wir haben, anstatt jeder allein mehr anzuhäufen.

„Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ Und wenn wir dies mit mehreren bedenken, entdecken wir auch: Gemeinsam haben wir tatsächlich mehr Genug. Wenn wir unsere Handvoll Ruhe zusammentun – Zeit für Gespräche, Gebet, Brot am Tisch – wächst daraus Geborgenheit. Kohelet fährt fort: „So ist’s ja besser zu zweien als allein“. Zwei fassen mit an, teilen die Mühe, wärmen sich gegenseitig. So ist das mit Gemeinde: Wir sind füreinander da, statt allein nach mehr zu streben. Und für unseren Lebenskern tief im Innern wissen wir: „Es ist genug. Christi Gnade genügt.“

Pfr. Dirk Schuklat

Hinweis: Der Text wurde vom Autor mit Hilfe seiner freundlichen KI aus der Nachbarschaft erstellt. 

 

 

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