Gerne gebe ich hier einen kleinen Einblick in meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse auf dem diesjährigen Kirchentag in Dortmund!

Da zeitgleich zum Kirchentag auch eine Delegation aus Ruanda zu Besuch bei uns im Kirchenkreis Hattingen-Witten war, bestand ein Teil meines Kirchentagbesuchs auch in gemeinsamen Aktivitäten mit der leider nur 5-köpfigen Delegation – drei junge Frauen haben leider kein Visum bekommen.

Während des Kirchentages gab es mehrere Auftritte der Gruppe als Chor mit Tanzeinlagen, z.B. am „Abend der Begegnung“ sowie auf dem Messegelände im „global garden“. Diese Auftritte kamen sehr gut an – und die Gruppe hatte sichtlich ihren Spaß!

Gemeinsam haben wir am Freitag eine englischsprachige Veranstaltung besucht, an der auch der EKD-Ratsvorsitzende Dr. Heinrich Bedford-Strohm teilnahm: „After genocide and war – promoting peace in the great lakes region“, organisiert von der VEM (Vereinigten Evangelischen Mission), mit deren Hilfe auch die Partnerschaft unseres Kirchenkreises mit Ruanda angebahnt wurde. Teilgenommen hat ebenfalls der Präsident der EPR (evangelisch-presbyterianischen Kirche in Ruanda), Dr. Pascal Bataringaya (s. Foto). Wir hörten von Projekten, die Menschen aller drei Länder zusammenbringen, um den Frieden weiterhin zu stabilisieren und davon, dass die Kirchen in diesem Prozess eine sehr wichtige Rolle spielen.

Bei einer weiteren Veranstaltung zu einem ähnlichen Thema in der gut gefüllten Westfalenhalle betonte auch Dr. Denis Mukwege die wichtige Rolle der Kirchen in dieser Region in Afrika. Dr. Mukwege, der Friedensnobelpreisträger von 2018, arbeitet als Arzt in der DRK (Demokratische Republik Kongo) in einer Grenzstadt zu Ruanda. Die sogenannte „prophetische Funktion“ der Kirche wurde mehrfach angesprochen und eingefordert. Diese Funktion bedeutet, dass sich die Kirche für Gerechtigkeit einsetzt, so wie sich die alttestamentarischen Propheten, wie z.B. Amos,  besonders für die Armen und für die Opfer von Ungerechtigkeit eingesetzt haben. Es geht darum, neben der Unterstützung der von Leid, Krieg und Unrecht betroffenen Menschen als Kirche laut die Stimme zu erheben, Unrecht offen zu legen und bei den Regierungen Veränderungen einzufordern. Dies Anliegen wurde in vielen Veranstaltungen deutlich, z.B. auch in Bezug auf die vielen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrunken sind. Verschiedene „prophetische“ Aktionen verdeutlichten dies wie z.B. das Sichtbarmachen der Opfer, in dem ihre Namen (soweit bekannt) aufgeschrieben und an einer Kirche plakatiert wurden; die Präsentation eines Bootes, mit dem Flüchtlinge über das Mittelmeer geflohen sind; die Spendensammlung im Abschlussgottesdienst für einen Seenotrettungsdienst im Mittelmeer u.a.

Neben diesen mir sehr wichtigen Veranstaltungen gab es während des Kirchentages noch viele weitere wunderbare Erlebnisse: Eine Bibelarbeit mit einem meiner Lieblingsprofessoren aus meiner Studienzeit; einen sehr schönen Abend der Begegnung mit guten Freunden (trotz teilweisem Regen); tolle Konzerte (z.B. GROW mit unserer Gemeindepädagogin Giulia!); Kabarett-Veranstaltungen; eine Lesung; gehaltvolle Gottesdienste; den interessanten Markt der Möglichkeiten (was es da alles gibt: den elektronischen Klingelbeutel zum Beispie!); ein Bibliodrama in einer kleinen Gruppe zum Thema Mut; Gänsehaut beim Abendsegen und Lichtermeer – und einen völlig beseelten Ordner an der U-Bahn, der wohl noch nie erlebt hat, dass die Wartenden an der Absperrung nicht nur geduldig, sondern auch freundlich zu ihm sind und stimmungsvolle Lieder singen!!!

Dieser Kirchentag war für mich eine wunderbare Mischung mit vielen neuen Ideen und Anregungen!

Ich bin froh, in „Gottes geliebter Gurkentruppe“ (Zitat aus der Predigt des Abschlussgottesdienstes) dabei zu sein und hoffe, dass die vielen Impulse und  Resolutionen in der nächsten Zeit von uns allen (und den PolitikerInnenn, die dies auf dem Kirchentag zugesagt haben!) umgesetzt werden und das Vertrauen in Gott uns alle trägt, ermutigt und beflügelt, aufzustehen und unsere Stimme zu erheben!

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