Gedanken zum Monatsspruch für den Oktober 2023

 Wenn der Hai aufhört zu schwimmen, dann stirbt er. Wenn das Samenkorn nicht in die Erde fällt, um Wurzeln zu schlagen, verdorrt es. Wenn die gute Absicht nicht ins Tun kommt, ist sie schon verreckt. Ach man müsste mal…

Aber so einfach ist es gar nicht vom Hören und Wollen ins Tun zu kommen. Zu viele wollen von uns, dass wir auf sie hören und dann tun, was sie sagen. Und wir haben doch schon selbst genug damit zu tun unsere guten Vorsätze und mühsam erarbeiteten Erkenntnisse in Taten umzusetzen. Sport ist wichtig, aber die Couch gemütlicher. Gesunde Ernährung ist wichtig, aber die Currywurst leckerer. Das Klima ist wichtig, aber das Auto bequemer. Die Weltmeere ertrinken im Plastik, aber die eingeschweißte Gurke ist hygienischer. Beten ist wichtig für die Seele, aber der Fernseher ist lauter.

Und sollte es uns gelingen, irgendeinen guten Vorsatz umzusetzen, dann kommen die anderen und sagen: Ach, dass hältst Du doch eh nicht lange durch. Das nützt doch auch nichts mehr.  Wem willst du was beweisen? Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Komm erst einmal in mein Alter. Das haben wir noch nie so gemacht! Und was da der demotivierenden Sprüche noch mehr sind. Und so wird verschüttet, niedergetrampelt, versenkt, erstickt und zerredet, was an guten Absichten und Erkenntnissen in uns gewachsen ist.

Und das noch so wütende „How dare you!“ von Greta Thunberg vor der UN lächeln wir mitleidig in die Bedeutungslosigkeit statt es als Spiegel der Selbsterkenntnis auszuhalten und in ein rettendes Tun umzumünzen. Und deshalb mal hier ein Mut machendes biblisches Wort für den Tag aus dem Jakobusbrief, Kapitel 1, 22: „Nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen. Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.“

Jakobus geht davon aus, dass Gott in uns etwas gepflanzt hat, das die Kraft hat uns selig, also glücklich, erfüllt und heilsam gesund zu machen. Es gibt so eine Art göttliche Genetik, die uns am Leben erhalten möchte und weiß, was wir dazu brauchen. Sowie der Hai ohne darüber nachzudenken weiß, dass er sich bewegen muss, wenn er nicht sterben will. So wie im kleinsten Samenkorn alles enthalten ist, was es zum Wachstum braucht, so wissen wir, wenn wir ganz ehrlich sind, was uns gut tut und was uns schadet. Allerdings fällt uns ja schon das Hören schwer. Und wer nicht hören will, der muss ja bekanntlich fühlen und Gefühle sind trügerische Gesellen.

Der Selbstbetrug liegt darin, dass wir uns vor einen Spiegel stellen,  uns anschauen und dann meinen wir hätten gesehen, wer wir sind. Oft sehen wir uns nämlich schon so, wie andere uns sehen sollen oder überprüfen, ob wir so aussehen, wie wir bei den anderen ankommen wollen. Weil wir nämlich mehr auf andere hören, als auf uns selbst oder den, der uns erfunden hat. Und so haben wir uns selbst, unsere Seele, unser Innerstes, um das es eigentliche geht, überschminkt und hinter viel Maske und Makeup verborgen.

Und doch hat Gott den Menschen etwas Wundervolles eingepflanzt nämlich die Fähigkeit zu einem Perspektivwechsel, in dem wir von Jesus lernen unser Leben in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit den Augen Gottes zu sehen: und das heißt bewahrend, schützend, liebend, achtsam und nicht zornig, wütend, vernichtend und zerstörend. Wer die die Kraft des Heiligen Geistes in sich entdeckt und wachsen lässt, hat in sich eine Quelle, die uns hilft, nicht auf der Strecke zu bleiben.

Vielleicht hilft da eine ganz einfache Frage, die einen solchen Perspektivwechsel mit sich bringt: wer will ich einmal gewesen sein? Was sollen die Leute mal über mich sagen? Was soll auf meinem Grabstein stehen? Von dieser Frage her kannst Du dann Deinen Zielen und Wünschen und Träumen entgegenwachsen. Gemeinsam mit anderen, die das auch tun. Z.B. in einer starken christlichen Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Vision. So kannst Du ganz bei dir bleiben und bei dem, was Gott in Dich hineingepflanzt hat. Und Du musst nichts darstellen, was Du nicht bist, musst weder Dich noch andere täuschen, weil Du gut bist so wie Du bist.

Gott hat diese wundervolle Gabe des Perspektivwechseln in uns hineingelegt, das uns hilft aus dem Hören über das Wollen zur Tat zu kommen. Vielleicht hilft uns dieses Gedicht von Anne Magdalena Wejwer, einer der Gewinnerinnen des lyrix-wettbewerbs des deutschlandfunks aus dem Jahre 2015 mit dem Titel „Man müsste mal“

Man müsste mal

die Perspektive wechseln
auf sich und diese Welt
denn das was ist
ist nicht immer das
wofür wir es halten
wir sind nicht immer
wer wir behaupten zu sein
und auch wenn es nie wirklich objektiv wird
der Mensch ist ein Mensch und keine Kamera
man müsste mal
die Perspektive wechseln

Man sollte mal
die Perspektive wechseln
und nicht immer nur so tun
als sei man selbst der größte
oder als sei ein anderer Mensch der Größte
letztendlich sind wir doch alle klein
auch wenn wir die Welt und den Zufall und das Universum
zu beherrschen meinen
sind wir doch nichts
und die Wolkenkratzer nur Türme zu Babel
und ein kläglicher Versuch so zu tun
als wären wir mehr
als ein mittelgroßes Nichts
das sich um die Sonne dreht
Man sollte mal
die Perspektive wechseln

Man könnte mal
die Perspektive wechseln
und nur einen Augenblick so tun
als wäre man der Mann im Mond
und schon ist die längste Mauer nicht mehr als ein Haar
und der mächtigste Herrscher nicht mehr als ein Staubkorn
ein kleiner Haufen von noch viel kleineren Atomen
und plötzlich wären so viele Probleme die wir hätten
so nichtig und die Unterschiede so klein
zwischen den Menschen

Du kannst
die Perspektive wechseln
und nur im Traum einmal den Mond betreten
Schau dir die Erde an, wie klein ist sie
und zierlich, wie zerbrechlich- und doch wie schön
ein kleiner Fleck Leben in der Dunkelheit des Universums
ein kleiner Fleck der alles ist, was wir haben
und auch wir sind nichts, als noch kleinere Wesen
die sich einbilden die größten zu sein.

Wechsel die Perspektive
einmal nur, wie im Traum,
um festzustellen, wie kostbar diese Welt ist
wie schön und wie beschützenswert.

Manchmal muss man die Perspektive wechseln
um festzustellen, wie klein wir sind,
wie klein diese Welt ist
und wie schön es trotzdem ist
ein kleines bisschen zu sein
in der Unendlichkeit des Universums.

 

 

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